Wer seine Therme jahrelang läuft lässt, ohne sie anfassen zu lassen, spart kurzfristig Geld und gibt es langfristig doppelt aus. Das klingt zugespitzt, entspricht aber der Realität in vielen Haushalten. Laut einer Erhebung des Österreichischen Energieeffizienz-Verbands arbeiten rund 40 Prozent aller Gasthermen in Wohngebäuden außerhalb ihrer optimalen Betriebsparameter, weil Wartungsintervalle ignoriert wurden. Die Folgen reichen von höherem Gasverbrauch bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Situationen.
Was bei einer Wartung tatsächlich passiert
Viele Eigentümer stellen sich eine Thermenwartung als kurzen Check vor, bei dem jemand kurz reinschaut und nickt. Tatsächlich umfasst eine fachgerechte Wartung ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Der Techniker reinigt den Brenner und prüft die Zündung, kontrolliert den Wärmetauscher auf Ablagerungen, misst den CO-Gehalt im Abgas, überprüft den Wasserdruck im Heizkreislauf und testet alle Sicherheitseinrichtungen.
Besonders der Wärmetauscher verdient Aufmerksamkeit. Kalkablagerungen von nur zwei Millimetern Stärke erhöhen den Energieverbrauch nachweislich um bis zu 15 Prozent. Bei einer Therme mit einem Jahresgasverbrauch von 1.500 Euro bedeutet das rund 225 Euro zusätzliche Heizkosten, die sich durch eine einfache Reinigung vermeiden ließen.
Die unterschätzte Sicherheitsfrage
Hinter dem Thema Effizienz steht ein noch ernsthafteres Argument: Sicherheit. Gasthermen sind Verbrennungsgeräte, und jede Verbrennung erzeugt Abgase. Solange die Anlage intakt ist, werden diese Gase sauber nach außen abgeführt. Kommt es aber zu einem Riss im Wärmetauscher oder einer verstopften Abgasführung, kann Kohlenmonoxid in den Wohnraum gelangen.
CO ist farb- und geruchlos. Die Vergiftung beginnt mit Kopfschmerzen und Schwindel, die viele als Erkältung oder Erschöpfung deuten. In Österreich werden jährlich mehrere Todesfälle durch CO-Vergiftungen registriert, die auf defekte Heizgeräte zurückzuführen sind. Eine regelmäßige Kontrolle der Abgaswerte und der Dichtheit des Brennraums ist der direkteste Schutz dagegen. Kein Rauchmelder ersetzt das, weil herkömmliche Rauchmelder kein CO detektieren.
Wartungsintervalle und was Hersteller vorgeben
Die meisten Hersteller schreiben in ihren Garantiebedingungen eine jährliche Wartung vor. Wer dieses Intervall nicht einhält, riskiert nicht nur den Garantieverlust, sondern unter Umständen auch Probleme mit der Gebäudeversicherung, wenn ein Schaden auf mangelnde Wartung zurückgeführt werden kann.
Ein sinnvoller Rhythmus sieht so aus:
- Jährlich: Vollständige Inspektion und Reinigung durch einen Fachbetrieb
- Alle zwei bis drei Jahre: Austausch von Verschleißteilen wie Dichtungen und Elektroden
- Nach zehn bis zwölf Jahren: Wirtschaftlichkeitsprüfung, ob eine neue Therme sinnvoller ist als weitere Instandhaltung
Wer in einer Mietwohnung lebt, ist in der Regel nicht selbst für die Wartung zuständig, sollte aber den Vermieter bei ausbleibenden Wartungen schriftlich erinnern, da die Verkehrssicherungspflicht beim Eigentümer liegt.
Was eine Wartung kostet und was sie einspart
Die Kosten für eine professionelle Thermenwartung liegen je nach Region und Anlagentyp zwischen 80 und 180 Euro. Wer eine Thermenwartung in Wien von Installateur BM beauftragt, erhält dafür eine vollständige Inspektion inklusive Abgasmessung und Protokoll. Im Vergleich zu den potenziellen Folgekosten ist das ein überschaubarer Betrag.
Ein konkretes Beispiel: Eine Therme, die seit vier Jahren nicht gewartet wurde, zeigt im Verbrauchsvergleich oft einen Mehrverbrauch von 10 bis 20 Prozent gegenüber einer gewarteten Anlage gleichen Typs. Wer 1.200 Euro im Jahr für Gas ausgibt, zahlt damit zwischen 120 und 240 Euro zu viel, Jahr für Jahr. Über vier Jahre summiert sich das auf bis zu 960 Euro an vermeidbaren Mehrkosten, also einem Vielfachen der Wartungskosten.
Hinzu kommen Reparaturkosten bei einem vermeidbaren Defekt. Ein neuer Wärmetauscher schlägt mit 300 bis 600 Euro zu Buche, eine Zündsteuereinheit mit 150 bis 250 Euro. Solche Teile verschleißen schneller, wenn die Anlage dauerhaft außerhalb ihrer Sollparameter betrieben wird.
Eigentümer, Mieter und Verwalter: Wer ist zuständig?
In Mehrfamilienhäusern mit zentraler Heizungsanlage organisiert meist die Hausverwaltung die Wartung. Bei dezentralen Gasthermen in Einzelwohnungen ist die Lage unklarer. Grundsätzlich trägt der Eigentümer die Pflicht zur Wartung, unabhängig davon, ob die Wohnung selbst genutzt oder vermietet wird.
Mieter sollten wissen: Wenn eine Wartung vertraglich auf den Mieter übertragen wurde, was in einigen Mietverträgen vorkommt, dann gilt diese Klausel nur, wenn sie ausdrücklich und eindeutig formuliert ist. Im Zweifel bleibt die Pflicht beim Vermieter. Wer als Mieter selbst die Initiative ergreift und eine Wartung beauftragt, sollte die Kosten vorab mit dem Vermieter klären, da eine Erstattung nicht automatisch erfolgt.
Der richtige Zeitpunkt für die Wartung
Technisch gesehen kann eine Thermenwartung zu jeder Jahreszeit stattfinden. Praktisch empfiehlt sich der Spätsommer oder frühe Herbst, also August bis Oktober. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Heizung noch nicht auf Hochtouren, und eventuelle Mängel können vor dem Einsetzen der Heizsaison behoben werden, ohne dass Bewohner in der Kälte auf eine Reparatur warten müssen.
Wer die Wartung hingegen mitten im Winter anfragt, trifft auf volle Auftragsbücher. Wartezeiten von zwei bis drei Wochen sind im Januar keine Seltenheit. Wer dann auf eine defekte Therme angewiesen ist, hat ein Problem, das sich mit einem frühzeitigen Termin vollständig vermeiden lässt.
Eine Therme ist kein Gerät, das man einbaut und vergisst. Sie verbrennt täglich Gas, erhitzt Wasser, steht unter Druck und gibt Abgase ab. Wer das ignoriert, zahlt am Ende mehr, heizt schlechter und geht ein Risiko ein, das kein Haushalt eingehen muss.